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Sonntag, 23. Februar 2014

Das erste Mal: Snowboarden

Es war wohl einer der frustrierendsten Momente meines Lebens. Ich komme mir schrecklich klein vor. verletzt, ausgelaugt und verraten.
Dramatische Szenen spielen sich da ab auf einer Südtiroler Skipiste. Da sitze ich also im Schnee, der Hintern bereits nass (ja, Mama ich weiß Blasenentzündung und so), reibe mein frisch verdrehtes Knie und verwende all meine Konzentration darauf jetzt bloß nicht loszuheulen.


Der Tag war lang und meine ersten Versuche auf dem Snowboard schmerzhaft. Das ist dann wohl der Nachteil als halb-Inselkind: es gab nie Skiausflüge mit der Familie und tolle Geschichten aus dem Kinderskikurs. Ich lerne das mit Mitte zwanzig und stelle mich an wie der letzte Depp. Das Problem des Älterwerdens ist in diesem Fall nämlich: man fängt an nachzudenken und hat Angst. Suboptimal wenn man an einem steilen Abhang steht und der schnucklige Snowboardlehrer verlauten lässt das man da jetzt runter fahren muss.
Ich hab mir alle Mühe gegeben nicht den Hasenfuß raushängen zu lassen, aber nach der 100sten verpatzten Kurve und unzähligen unsanften Landungen auf meinem Hinterteil war es dann einfach genug.
Als ich da dann so auf der Piste rumsaß um meinen schmerzenden Beinen eine Auszeit zu gönnen höre ich plötzlich eine Gummibärchentüte hinter mir rascheln und den Satz: "Ja Mensch junge Dame das ist ja Klasse wie du das machst! Du bist ja ganz schön schnell unterwegs!"
Dankbar drehe ich mich um und freue mich über die Willkommene Aufheiterung…nur um festzustellen das diese für das kleine Mädchen (mit dem beneidenswert coolen Hello Kitty Skihelm) ein paar Meter weiter gedacht war. Mist.

Also wieder aufrichten, was dank unzähliger Protektoren am Körper auch nicht so ganz einfach ist, und weiter geht's.

Dieses Drama liegt inzwischen 3 Jahre zurück. Inzwischen bin ich (meistens) schneller als die Skikindergartengruppe, falle nicht mehr aus dem Schlepplift und komm auch heil aus dem Sessellift ohne den gesamten Betrieb lahmzulegen. Ich muss auch zugeben, dass so ein eingeschneites Alpenpanorama gar nicht mal so hässlich ist. Vielleicht wird aus mir ja doch noch ein richtiger Wintersportler…wir werden sehen. 

Ort des geschehens: am Anfänger geeigneten Skigebiet Watles 

Sonntag, 10. November 2013

Waitomo im Bear Grylls Modus

Ich habe in meinem bisherigen Leben genau zwei Urlaube auf Campingplätzen begonnen und sie jeweils im Krankenhaus beendet. Auf irgendwelche Bäume, Gräser oder sonstiges Zeugs bin ich scheinbar ziemlich allergisch, es ist mir also nicht zu verdenken das ich eine pauschale Abneigung gegen das Campen habe. 
Aufgrund drastischer Kosteneinsparmaßnahmen haben wir in Waitomo dann aber doch auf einem dieser genächtigt – diesmal allergiefrei und sehr zufrieden, da sehr schön sauber. Die Bungalows sind mit einem Stockbett, einem Tisch, zwei Stühlen und einer Spüle zwar sehr minimalistisch ausgestattet, aber wenn wir ehrlich sind: mehr braucht man ja im Grunde auch nicht für eine Nacht.




Falls es durch die letzten Posts noch nicht deutlich genug rauskam – es war ja kalt dort. Mein persönliches Tageshighlight war daher eine schöne, heiße Dusche um mich wieder aufzuwärmen. Die Herausforderung auf diesem Campingplatz bestand allerdings darin, am frühen Morgen nicht nur aus dem Bett zu kommen, sondern im Anschluss auch ca. 40 Meter im Freien zum Waschraum zu laufen.
Aber ok, frostiger Nieselregen und kräftige Windböen sind durchaus akzeptabel, wenn man weiß - am Ende wartet die wärmende Dusche. 

Ein Problem ist allerdings, wenn man nach dem Duschen feststellt, dass das Fenster des Duschraumes gekippt ist, es deshalb fürchterlich zieht und – noch viel schlimmer – man das flauschig weiche, extra angemietete Handtuch im Bungalow vergessen hat. Mist. Riesengroßer Mist sogar.

Zähneklappernd wird kurzerhand in den Bear Grills Modus geschaltet: Handy? Nicht da. Nach Unterstützung rufen? Zu peinlich. Weiter duschen bis mich jmd. holt? Unser Zeitplan! Darauf hoffen das sich ein Schaf in den Waschraum verirrt es mit dem Venus Gilette rasieren, schnell einen Poncho stricken und zurück rennen? Wäre eine Option, aber da meine Strick-Skills sich eher in Grenzen halten, schnappe ich mir dann doch kurzerhand meinen Schlafanzug und trockne mich damit ab.  Bear Grylls hat ja schließlich auch nie Handtücher dabei. Ich wusste das der DMAX Marathon vor dem Abflug zu etwas gut war. Großartiges Gefühl. Echt.  

Erst die fluffigen Pancakes mit gebackenen Bananen, goldenem Ahornsirup und Bacon (WTF?!? Weiß jmd warum die Kiwis zu gefühlt ALLEM Bacon essen?!?) im kleinen und vor allem sehr hübschen Diner gegenüber konnten meine Laune wieder heben. So gestärkt waren wir bereit für einen Tag voller Bushwalks und Glühwürmchen jagen. Diese Glühwürmchen sind nämlich das absolute Waitomo must-see…zumindest laut Reiseführer. Und es gibt auch massig Angebote um sich diese auf geführten Touren anzuschauen oder beim Black Water Rafting die unterirdische Höhlenlandschaft unsicher zu machen. Wir haben aber beschlossen mal die individual Touristen raushängen zu lassen und dem Tipp unseres erfahrenen Campigplatzbetreibers zu folgen. Dieser hat uns netterweise mit Taschenlampen und einer Karte ausgestattet damit wir auf eigene Faust auf Glühwürmchen Entdeckungstour gehen können. Haben wir dann auch nach einem sehr schmackhaften Abendessen im Restaurant Huhu (direkt neben dem Campigplatz) gemacht. 



So richtig im Dunkeln, nur wir drei und um uns herum neuseeländischer Busch. Auf halber Strecke viel mir ein, das ich Dunkelheit ja eigentlich nur so mittel cool finde. Gegen 23 Uhr in einem fremden Land durch den Wald laufen stand so eigentlich auch nicht unbedingt auf meiner To do Liste. 

Manch einer würde vor romantischer Verzückung seufzen beim Anblick von vielen kleinen Lichtlein die zwischen den dicht bewachsenen Felswänden funkeln. Ich fühlte mich eher an die Vorschau des Horrorfilms „The hills have eyes“ zurück erinnert als wir hochkonzentriert die dunklen Schotterwege entlang schlichen.



Man hat bei einer selbst organisierten Nachtwanderung sicherlich nicht dieses geballte „ich stehe plötzlich unter einem komplett erleuchteten Himmel“ Erlebnis wie in einer der offiziellen Höhlen, aber wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, ist mein Sinn für Romantik jetzt nicht soooo stark ausgeprägt, daher hat mir unser Trip sehr gut gefallen. Nicht zuletzt weil er uns nichts gekostet hat :-)

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Im freien Fall


Kennt ihr diesen Blick den man von Geschwistern zugeworfen bekommt wenn man sie grade richtig, richtig in etwas reingeritten hat?

Ja?

Genauso einen Blick, also einen der aller übelsten Sorte, warf mir mein Bruder zu als ich auf unserer Reise verkündet habe: „Ich will in Neuseeland Bungee springen gehen!“
Während ich mir diese Idee mit ca. 17 Jahren in den Kopf gesetzt hatte und durch nichts - nicht die Kosten, nicht den Temperaturen oder dem Betteln unserer Mutter - davon abzubringen war, war mein kleiner Bruder eher skeptisch. Da er allerdings mit 23 und guten 1,80 m nicht mehr ganz so klein ist, schlägt natürlich das männliche Ego bereits voll durch. Da steht die Familienehre auf dem Spiel, und meine Güte was sollen die Leute denken wenn die Schwester sowas macht und er kneift?! Geht gar nicht. 
Also Todesblick an mich für meine tolle Idee, die Höhenangst gekonnt verdrängt und auf ins Auto in Richtung Lake Taupo. 


Aussicht von der Bungee Station...laut Internet eine der schönste der Welt


Ich hatte vor einigen Jahren einen Fernsehbericht über das Bungeespringen in Neuseeland gesehen und die Bilder vor Menschen die vor gigantischen Felswänden in malerischen Buchten an Gummiseilen rumbaumeln haben mich über die Jahre einfach nicht mehr losgelassen. Auf einem Parkplatz von so `nem komischen Kranen springen kann ja jeder! Für mich und meine  Bucket-List muss schon etwas spektakuläreres her!
Das Frühstück haben wir morgens trotzdem vorsorglich auf ein Minimum beschränkt  und hätte ich gewusst, dass mir an der Station ein netter Herr mit rotem (!!!), nicht so einfach abwischbaren (!!! ³) Edding mein Gewicht in gigantischen Lettern auf den Handrücken schreibt, hätte ich mir die Hell’s Pizza (ein kleiner Tipp am Rande)  am Vorabend garantiert auch verkniffen *grmpf*.  Aber ich seh es ja ein, wenn auch ungern, dass das Gewicht unter Umständen relevant ist wenn es um die Seillänge bzw. dessen Dehnung geht.



Um unserem Ruf als Schwaben auch am anderen Ende der Welt gerecht zu werden , wurde der Holde kurzerhand zum Fotografen ernannt (scho wieder 60 Eur g’schbart, gell!)  und  ich machte mich mit dem Brüderlein im Schlepptau auf den Weg zur Absprungstation.  Während dieser gesamten Zeit hab ich mir eig. keinerlei Gedanken über den Sprung selbst gemacht, erst in dem Moment als ich vorne an der Kante stand, die Zehen darüber und  die Arme in die Höhe strecken musste machte sich die blanke Panik breit. „ich kann mich nirgends festhalten, muss kopfüber ins Nichts stürzen und zahl auch noch Geld dafür!!! Bin ich denn des Wahnsinns?!?“
Die Jungs an der Station kennen diesen Blick vermutlich sehr genau und bevor ich mich versehe ruft es hinter mir „One, two, three, bungeeeeeeee!“ ein kleiner Schubs und ich bin kurz mal völlig fertig mit den Nerven. 




Unter normalen Umständen bin ich ein Mensch der konsequent alles tussieske vermeidet. Ich trinke aus Prinzip keinen Aperol Spritz, mag keine Dinge in Herzform und wenn auf etwas Glitzer drauf ist, wird es ignoriert. Aber in diesem Moment war dann plötzlich alles anders. Ich bin zwar immer noch davon überzeugt das es für meine Reaktion eine plausible anatomische Erklärung gibt (jmd. ne Idee...irgendwas mit Zwerchfell und Stimmbändern oder so?!), aber diese hätte meinen Bruder dann auch nicht mehr interessiert. Der lag nämlich fast heulend vor Lachen am Ufer, weil ich, seine ultra coole große Schwester, „gekrischen hat wie ein kleines Mädchen“. Seine Worte hmmmpf.


Die ersten Sekunden waren aber auch wirklich verstörend. Interessanterweise fühlt es sich ein bisschen so an wie wenn man im Schwimmbad vom 3m Turm springt und beim Aufprall vergisst sich die Nase zuzuhalten und es dauert auch eine ganze Weile bis im Gehirn ankommt was grade passiert ist. Am Ende ist es dann aber einfach eine sensationelle Erfahrung...zumindest für mich, weil ich mir damit einen großen Traum erfüllen konnte. 
So, und jetzt würde mich ja interessieren was auf eurer persönlichen Bucket-List so steht...brauch ja jetzt ein paar neue Ideen :-)


Unbedingt: ein Besuch bei Taupo Bungee